2026
Performance-Künstlerin Florentina Holzinger gestaltet den Österreich-Pavillon bei der 61. Kunstbiennale Venedig 2026
Die österreichische Choreografin und Performance-Künstlerin Florentina Holzinger wird Österreich bei der 61. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia mit SEAWORLD VENICE vertreten. Das interdisziplinäre Projekt wird von Nora-Swantje Almes (Gropius Bau, Berlin) kuratiert. Bekannt für ihre genreübergreifenden Arbeiten, in denen sie gesellschaftspolitische Konventionen hinterfragt, nimmt Holzinger ihre langjährigen Recherchen zum Element Wasser – zugleich als Materie und Symbol – als Ausgangspunkt, um den menschlichen Körper in einer radikal veränderten Landschaft zu verhandeln, in der Natur und Technologie unmittelbar aufeinanderprallen.
Das Projekt ist von 9. Mai bis 22. November 2026 zu sehen und umfasst eine permanente Live-
Installation und Performances im österreichischen Pavillon sowie ortsspezifische Études in Venedig und der Lagune.
In Holzingers Arbeiten treffen extreme Körperlichkeit auf theatralische Präzision – mit dem Ziel, die Grenzen dessen auszuloten, wozu Körper fähig sind. Ihre Praxis bewegt sich spartenübergreifend zwischen Tanz, Performance, Oper und Theater und setzt sich zugleich kritisch mit deren jeweiligen Traditionen auseinander. Dabei bringt sie institutionalisierte „Hochkultur“ mit pop- und gegenkulturellen Einflüssen in Kontakt und verschiebt die Grenzlinien zwischen Spektakel und Subversion. Ihre Arbeiten experimentieren mit Ausdauer und Momenten von Extremität und machen Machtverhältnisse auf der Ebene des Körpers sichtbar. Elementarkräfte wie Wasser und Körperflüssigkeiten sind eine wiederkehrende materielle Präsenz: Sie wirken unmittelbar auf den Körper und binden das Publikum in das Geschehen ein.
SEAWORLD VENICE geht als neues Werk aus dieser kontinuierlichen Auseinandersetzung hervor und tritt in den Dialog mit Venedig – einer Stadt, die durch ihr enges Verhältnis mit Wasser, Überleben und den Folgen menschlicher Intervention geprägt ist. Der Wasserspiegel steigt. Wasser, das wir in unzähligen Zyklen täglich trinken und ausscheiden. Wasser als lebendige, lebenswichtige natürliche Ressource – und als streng kontrolliertes Gut. Wasser, in das wir uns fallen lassen, in das wir eintauchen und aus dem wir, vielleicht transformiert, auftauchen:
SEAWORLD VENICE ist als Unterwasserthemenpark, Kläranlage und Sakralbau zugleich konzipiert und wird zu einem maschinen-ähnlichen Organismus, der über die Dauer der Biennale Arte 2026 von Performer:innen bewohnt wird. Mit poetischer wie kompromissloser Bildsprache tastet Florentina Holzinger die Grenzen des Menschlichen ab und legt zugleich die Verletzlichkeit menschlicher Körper sowie der Systeme offen, in denen sie sich bewegen. „Florentina Holzinger malt ein apokalyptisches Szenario, in dem wir uns bereits befinden, und verdeutlicht die Komplizenschaft des Menschen am Zerfall des (Öko-)Systems: Leben im Abfall anderer. Flüchtige Bilder und Kompositionen, die uns heimsuchen und an den Rand des Unmöglichen führen. Sie erweitert radikal die Grenzen des Vorstellbaren – eine Haltung, die ansteckend ist und die wir heute dringender brauchen denn je“, so Kuratorin Nora-Swantje Almes.
SEAWORLD VENICE erweitert sich über die Giardini della Biennale hinaus und bewegt sich in den Stadtraum Venedigs in Form von Performances mit dem Serien-Titel Études – ein Werkzyklus, den die Künstlerin seit 2020 entwickelt und der aus choreografischen Übungen sowie performativen Aktionen in öffentlichen, transitorischen Räumen besteht. So entfaltet sich das Projekt kontinuierlich über zahlreiche Orte und Formate hinweg. Aus den Tiefen der venezianischen Lagune auftauchend, in der sich der Müll des Turbotourismus sammelt, und aufsteigend in den Himmel der Stadt, machen Holzingers Performer:innen – menschlicher wie anderer Natur – die Verletzlichkeit und Widerstandsfähigkeit von Körpern und der Welt zugleich erfahrbar.
„In Venedig, einer Stadt mit einer tiefen und zugleich prekären Beziehung zum Wasser, nimmt meine fortwährende Faszination für dieses Element neue Dimensionen an. Der Körper spielt hier eine zentrale Rolle in der Erkundung von Abhängigkeiten und im Zusammenspiel von Natur und Technologie“, so Florentina Holzinger.
Anlässlich des Projekts im österreichischen Pavillon erscheint beim Berliner Bierke Verlag die Publikation HOLZINGER, in Zusammenarbeit mit dem Gropius Bau und der Kunsthalle Wien. Die erste umfassende Veröffentlichung zu Florentina Holzinger versammelt unterschiedliche Perspektiven auf ihre künstlerische Praxis, ihr visuelles und choreografisches Vokabular sowie auf die zentralen Themen ihrer Arbeit – mit Beiträgen von Claire Bishop, Mire Lee, Caroline Lillian Schopp und Anna Leon, eine Einleitung der Kuratorin Nora-Swantje Almes sowie ein Interview mit Florentina Holzinger.
Weitere Informationen:
Preview: 6.–8. Mai 2026
Eröffnung des Pavillons: 6. Mai 2026 | 12 Uhr
Die Eröffnungsétude findet am 6. Mai 2026 vormittags statt.
www.seaworldvenice.at
www.bmwkms.gv.at/biennale/biennale2026.html
Pressetext unter: www.seaworldvenice.at/de/presse
Biennale Arte 2026
In Minor Keys
Kuratorin: Koyo Kouoh
Ausstellung: 9. Mai - 22. November 2026
www.labiennale.org/en/art/2026



